von Iris Rapoport

Janusköpfiges Fett

Woran denkt man beim Wort Cholesterin zuerst – vermutlich an »schlechte« Blutfettwerte, Arterienverkalkung oder Herzinfarkt. Dabei tut man dem Cholesterin eigentlich unrecht, denn zunächst einmal ist es ein ganz normales und lebenswichtiges Fett.

Weshalb? Zum einen ist es in fast allen Membranen unserer Körperzellen enthalten. Auch das Fett der äußeren Hautschicht besteht zum großen Teil aus Cholesterin. Zum anderen wird es von verschiedenen Organen in weitere wichtige Verbindungen umgewandelt. Viele davon sind Hormone wie Glukokortikoide, die allgemein als »Stresshormone« bekannt sind. Diese beeinflussen auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Aldosteron wiederum reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt und beeinflusst letztlich unseren Blutdruck. Aus Cholesterin entstehen auch die männlichen und weiblichen Sexualhormone und schließlich auch Vitamin D, das als Hormon vor allem für unsere Knochengesundheit wichtig ist. Unsere Leber produziert daraus auch Gallensäuren, eine Art Tensid, das in den Darm abgegeben wird und dort essenziell für die Fettverdauung ist.Da nun Cholesterin so enorm wichtig ist, verlässt sich unser Körper nicht auf die Nahrungszufuhr. Fast alle Zellen können es selbst produzieren. Vor allem aber sichert die Leber uns ab – sie sendet Cholesterin, mit Proteinen zu Lipoproteinen verpackt, als LDL (low density lipoprotein) zu den Organen und das nicht benötigte Cholesterin kehrt als HDL (high density lipoprotein) zur Leber zurück. Cholesterin ist für uns also absolut unentbehrlich. Das ist das freundliche Gesicht des Cholesterins. Und das andere, das bedrohliche?Schauen wir es uns chemisch etwas näher an. Der Kern des Cholesterinmoleküls besteht aus vier Kohlenstoffringen. Diese Ringe bleiben – mit einer Ausnahme – bei der Synthese aller genannten Verbindungen und deren Ausscheidungsformen bestehen. Der Grund besteht darin, dass unser Körper nicht in der Lage ist, solche stabilen Ringe mit körpereigener Energie zu spalten. Eine Ausnahme bildet das Vitamin D, bei dessen Synthese Cholesterin direkt durch Sonnenlichtenergie gespalten wird.Unser Körper kann zwar die Cholesterinsynthese steuern, jedoch Cholesterin weder abbauen noch reguliert ausscheiden. Und darin besteht das Problem! Offensichtlich gab es in unserer Evolution schlichtweg keine Notwendigkeit, überschüssiges Cholesterin wieder loszuwerden.

Aber wir können natürlich auch nicht beliebige Mengen Hormone daraus produzieren und es auch nur begrenzt speichern. Was geschieht also, wenn – etwa durch zu reichliches Essen – das Cholesterin in unserem Organismus zu sehr ansteigt?Alles, was zu viel ist, wird von der Leber im Blutkreislauf »geparkt«. Leider geht das nicht in der schützenden HDL-Form, sondern nur als »schlechtes« Cholesterin, als LDL. Dessen Konzentration steigt an und in der Folge drohen »Arterienverkalkung« oder Herzinfarkt – das Cholesterin zeigt sein hässliches Gesicht.

 

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