Fettsenker gegen Grippe


In China sind an der Vogelgrippe mit dem H7N9-Erreger nach offiziellen Angaben bisher zehn Menschen gestorben. Die Zahl der neuen Fälle geht zurück. Zum einen hat China aus der SARS-Pandemie 2002 gelernt und zum anderen scheint das Grippevirus keine Sommerhitze zu vertragen. Im »New England Journal of Medicine« präsentieren Gao Rongbao und seine Kollegen vom Center for Disease Control and Prevention (Beijing) und der Fudan University (Shanghai) Virus-Isolate aus drei verstorbenen Patienten. Demnach ist der neue Virusstamm durch Verschmelzen von Genmaterial verschiedener Vogelgrippeviren entstanden. Und offenbar war es ganz ohne den Umweg über das Hausschwein direkt von Vögeln auf Menschen übergesprungen.

Das US-Center for Disease Control and Prevention in Atlanta sagt, die Gendaten von H7N9 sprächen dafür, dass das Virus für Vögel selbst wenig pathogen sei. Es bringt also seinen Wirt nicht um. Der Erreger könnte deshalb bisher nicht aufgefallen sein. Ob H7N9 pandemisches Potenzial aufweist, werden die nächsten Wochen zeigen. Derweil arbeitet man weltweit bereits mit Hochdruck an einem Impfstoff. Statt auf Virusproben aus China zu warten, haben US-Forscher mit Mitteln der Synthetischen Biologie ein Labor-Virus hergestellt. Als Bauanleitung diente ihnen der genetische Code von H7N9 aus dem Internet!

Der US-Amerikaner David Fedson hat nun eine auf den ersten Blick abwegige Idee: Statine zur Prophylaxe und Therapie der Vogelgrippe! Statine sind millionenfach verschriebene Cholesterinsenker. In den USA werden sie schon fast wie Aspirin als »pharmakologische Alleskönner« gehandelt, als Mittel gegen rheumatoide Arthritis, gegen Hepatitis C und gegen Lungenentzündung. Die letzten Experimente haben gezeigt, dass Statine außer zum beabsichtigten Senken der Blutfettwerte auch entzündungshemmend wirken. Entzündungsbotenstoffe (Cytokine) werden so günstig beeinflusst.

Eine Publikation in »Nature Medicine« zeigt, dass einige der mittlerweile mehr als 150 Todesopfer des asiatischen H5N1-Virus offenbar an einem »Cytokin-Sturm« verstarben, einer gefährlichen Eskalation des Immunsystems, wie auch bei der Grippe-Pandemie von 1918. »Für 50 Cent könnten wir einen Menschen fünf Tage lang mit Statinen versorgen«, sagt Fedson. Man könnte sie sogar gleich nach Ausbruch einer Pandemie zur Prophylaxe nutzen. Aber langsam! Das Ganze ist noch reine Theorie; entsprechende Experimente wurden offenbar bisher nicht einmal angedacht. Mein Kollege Chan meint: »Reinhard, ich wette, dass sie das längst wissen! Wenn die Statine funktionieren, bleiben Milliarden-Profite aus Tamiflu und anderen Wundermitteln aus.« Was den Biolumnisten RR betrifft, so schluckt er täglich Statine zur Cholesterolsenkung. Nach der (wöchentlichen) Beijing-Ente reduziert er damit sein Herz- und Alzheimer-Risiko und nun auch noch das Virus-Risiko.

Unser Biolumnist Reinhard Renneberg wurde jetzt zum Mitglied der Leibniz-Sozietät gewählt.


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