von Reinhard Renneberg

15152 Mikrobenarten in New Yorks U-Bahn

Wenn es Gottes eigenes Land selber betrifft, neigt “der Amerikaner” dazu, mimosenartig zu reagieren. Die Yankees sind es schlicht gewohnt, dass alle Kriege und Konflikte außerhalb ihres Landes ausgetragen werden: Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, Syrien. 9/11 ist auch deshalb ein Trauma.

Gerade am 11. September habe ich in meiner Umweltvorlesung an der Uni in Hongkong vor 500 Studenten ein kritisches Youtube-Video gezeigt über die “Ungereimtheiten” der offiziellen US-Erklärung. Mein Vorlesunsassistent, ein typischer US-Student, hat daraufhin empört den Hörsaal verlassen. Mitleidiges Kopfschütteln bei den Chinesen.

Unlängst gab es in den USA landesweit panische Reaktionen, als das “Wall Street Journal” über Ergebnisse von DNA-Analysen in der New Yorker U-Bahn berichtete. Die größte U-Bahn der Welt mit 469 Stationen und etwa 5,6 Millionen Fahrten täglich ist nach Meinung der Yankees ein mögliches Ziel von Bio-Terroristen. Christopher Mason vom Weill Cornell Medical College in New York analysierte 1427 Genproben aus 466 U-Bahnstationen in New York, insgesamt zehn Milliarden DNA-Fragmente. Er fand unglaubliche 15152 bekannte mikrobielle Lebensformen. Die andere Hälfte waren bisher noch unbekannte Mikrobenarten. Besonders schockierte die US-Leser, dass zu den bekannten Arten der gefährliche Milzbrand-Erreger (Bacillus anthracis) und Pest-Bakterien gefunden wurden. Bereits eine Woche später relativierten die Forscher die Warnung der Medien, offenbar auf Druck der Behörden. “Die DNA-Spuren stammen von nicht mehr ansteckenden Pest- und Anthraxerregern,” hieß es.

Im Text des Fachjournals „Cell Systems“ (DOI: j.cels.2015.01.001) las es sich ohnehin gar nicht so spektakulär. Da stand schon, dass die New Yorker U-Bahn im Großen und Ganzen sicher sei und die Genfragmente keinen Hinweis auf funktionierende krankmachende Komponenten gäben. Befragte Kollegen bemängelten dennoch Fehler in den Publikationen und eine reißerische Verbreitung der Ergebnisse. Sie verweisen auf Arbeiten der New York University, die auf Geldscheinen eine überraschend hohe Anzahl von Mikroben entdeckt haben. In dem sogenannten „Dirty Money Project“ wird festgestellt, dass über Geld Hunderte verschiedener Bakterienarten weitergegeben werden. Die Forscher von der New York University identifizierten bei der Untersuchung auf Ein-Dollar-Noten 3000 Arten von Bakterien. Durch die Erreger auf den Geldscheinen könnten Magengeschwüre, Lungenentzündungen und Lebensmittelvergiftungen ausgelöst werden.

Ich habe mal in der Schule gelernt zu fragen: “WEM nützt das?” 9/11, Saddams Biowaffen. Terror-Angst schüren und gleichzeitig das schlecht kontrollierbare Bargeld abschaffen. Cui bono?

 

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