von Iris Rapoport

Mühelos abnehmen?

Wie viele wohl träumen davon? Nein, nicht von einer weiteren ultimativen Diät sei hier die Rede, sondern von der Idee, unsere Fettzellen anzuregen, übermäßig Zugeführtes selbst zu „verbrennen“.

Doch unser weißes Fettgewebe, eben jenes, von dem bei so manchem großer Überschuss herrscht, ist dazu nicht in der Lage. Denn es soll Reserven für Ausdauerleistung oder Hungerzeiten speichern und nicht etwa selbst verbrauchen. Deshalb  fehlen ihm auch die “Kraftwerke der Zelle”, die Mitochondrien, fast völlig. Wenn etwa Muskeln Energie benötigen, werden in den Fettdepots Fettsäuren mobilisiert und über den Blutstrom angeliefert. In den Mitochondrien der Muskelzellen erfolgt der Abbau zu CO2, das ausgeatmet wird, und außerdem zu Wasser. Dabei verpufft kaum Energie als Wärme, denn der Abbau ist streng mit der chemischen Speicherung der freiwerdenden Energie als ATP (Adenosintriphosphat) gekoppelt. Jedes Abnehmen erfordert, diese Energie zu verbrauchen – es kostet Mühe!

In der Säuglingszeit verfügen wir zusätzlich noch über ein anderes, ein braunes Fettgewebe. Das besitzt viele eigene Mitochondrien, deren eisenhaltige Proteine ihm auch die Farbe verleihen. In diesen Mitochondrien geschieht etwas, was in Kraftwerken sonst möglichst verhindert wird. Anstatt die Energie zu speichern, wird diese durch ein Entkopplungs-Protein (UCP1) als Wärme freigesetzt. Das sieht nach Vergeudung aus. Ist es aber ganz und gar nicht, weil es uns nach der Geburt vor vielleicht tödlicher Unterkühlung rettet.

Beim Erwachsenen greift anderer Temperaturschutz. So finden sich bei ihm nur noch wenige Reste des braunen Fettgewebes und die sind oft nicht einmal aktiv. Genau da wünscht man pharmazeutisch einzugreifen. Zellen des Fettgewebes übergewichtiger Erwachsener sollen in beigefarbene umgewandelt werden, die den braunen sehr ähnlich sind. Entkoppelt vom aktiven Energiebedarf und Verbrauch, würden in ihnen Fettsäuren stetig verbrannt. Mittels einer Verbindung, getestet an Mäusen, ist eine solche Umwandlung bereits gelungen, und gleichzeitig auch, das Gewicht der Tiere zu verringern (DOI 10.1038/ncomms8235 ) .

Das klingt sehr verlockend: Klappt es auch beim Menschen, könnten Fettpolster zukünftig vielleicht einfach als CO2 ausgeatmet und weggeschwitzt werden! Doch dazu, freudig das baldige Ende aller überschüssigen Pfunde zu feiern, ist es gewiss zu früh! Es gilt zunächst, die Ergebnisse für den Menschen zu bestätigen, und vor allem zu zeigen, dass die Nebeneffekte solchen Verfahrens sich in medizinisch vertretbaren Grenzen halten. Denn der Versuch, die gestörte Gewichtsregulation durch Eingriff in das Temperaturregulationssystem zu korrigieren, kann durchaus unkalkulierbare Gefahren bergen.

Es ist zu hoffen, dass die Entwicklung auf diesem Gebiet denen, die krankhaft an Übergewicht leiden, helfen wird. Doch an sinnvoller Ernährung und Bewegung führt zukünftig sicher auch kein künstlich vermehrtes braun-beiges Fettgewebe vorbei.

 

 

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